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Financial Due Diligence
Das Zahlenwerk des Unternehmens checken

Bilanz und G+V

Die Financial Due Diligence konzentriert sich auf die Bilanzdaten des Unternehmens, also die G+V und die Bilanz mit Aktiva und Passiva.

Der Käufer wird sicherlich Erklärungsbedarf bei den Bilanzpositionen haben. Wenn in der Bilanz Grundstücke und Gebäude vorhanden sind kommt vermutlich die Frage der Bewertung auf. Ein zu niedrig bewertetes Grundstück und Gebäude bedeutet eine Reserve. Ein zu hoch bewertetes Grundstück würde zu einem zu hohen Kaufpreis führen. Bedenken Sie, dass Industriegrundstücke einen eher niedrigen Wert haben als Geschäftshäuser in der Innenstadt. Fragen Sie sonst ggfs. einen örtlichen Makler, wie er den Wert der Gebäude und Grundstücke schätzt.

Der nächste Punkt ist die Bewertung des Betriebsinventars. Bereiten Sie eine Inventarliste vor. Sind die meisten Posten schon abgeschrieben dann bedeutet dies, dass das Inventar vielleicht auch veraltet ist. Der Käufer wird also besonders beim Maschinenpark genau schauen. Veraltete Maschinen können einen höheren Wartungsaufwand in der Zukunft bedeuten. Es zeigt auch, dass in der letzten Zeit nichts mehr in den Betrieb investiert wurde. Sie sollten dafür eine Begründung parat haben.

Ein ganz wichtiger Punkt sind die Bestände. Sind diese zu hoch bewertet, führt das zu Gewinnen, die es eigentlich nicht gibt. Der Käufer wird also wissen wollen wie die Bestände bewertet sind. Zu Einkaufspreisen? Was aber wenn diese in der Zwischenzeit gefallen oder aber auch gestiegen sind. Schwieriger wird die Bewertung von Halbfabrikaten. Bereiten Sie am besten eine Bestandsliste mit allen wichtigen Artikeln vor. Erklären Sie Überbestände. Wie sind diese entstanden und wie gedenken Sie die abzubauen. Im Handel wird auch oft nach der Reichweite geschaut. Also wie lange brauchen Sie um den derzeitigen Bestand bei normalem Abverkauf auf Null zu fahren. Gibt es vielleicht auch Bestände, die veraltet sind? Auch darauf wird der Käufer schauen.

Der Käufer wird auch eine Liste der Forderungen haben wollen. Diese wird er sich anschauen und Sie fragen, ob es uneinbringbare Forderungen oder Forderungen mit einem hohen Risiko gibt. Interessant für den Käufer ist auch die Laufzeit der Forderungen und die Kundenstruktur. Versuchen Sie vor einem Verkauf möglichst viele unklare Forderungspositionen zu bereinigen. Zu viele überfällige Forderungen bedeuten entweder ein schlechtes Forderungsmanagement oder eine schwierige Kundenstruktur.

Auch vom Gegenteil der Forderungen, den Verbindlichkeiten, wird der Käufer eine Liste haben wollen. Ihn interessiert es ob große Rechnungen noch nicht bezahlt sind. Ist dies der Fall könnte das beispielsweise darauf hindeuten, dass Ihr Unternehmen Zahlungsprobleme hat. Außerdem will der Käufer vor Überraschungen gefeit sein. Schreiben Sie bei großen Positionen dazu um was es sich handelt. Das schafft Transparenz.

Eine weitere Bilanzposition in der vieles versteckt werden kann sind die Rückstellungen. Diese führen immer zu Nachfragen seitens des Käufers. Haben Sie beispielsweise als Kleinunternehmer eine Rückstellung für die Anschaffung eines neuen PKWs gebildet bedeutet dies, dass diese Rücklage irgendwann ergebniswirksam aufgelöst werden muss und zu einer Steuerzahlung führt. Die Rücklage ist in diesem Fall nämlich nichts anderes als eine Steuerverschiebung. Und die kauft der Käufer mit.

Der Käufer wird auch eine Übersicht über die Bankkonten fordern. Bilanzdaten sind stichtagsbezogen und können sich jeden Tag ändern. Eine hohe Cashposition zum Zeitpunkt der Bilanzerstellung kann schon geschmolzen sein. Wenn Sie Kredite in Anspruch genommen haben, sollten Sie die Höhe und die Kreditlinie dokumentieren. Den Käufer wird auch interessieren wie diese Kredite besichert sind. Das ist auch für Sie ein wichtiger Punkt beim Verkauf. Am besten Sie kopieren schon mal den Kreditvertrag, damit Sie ihn zum passenden Zeitpunkt zur Hand haben.

Das nächste was sich der Käufer anschauen wird ist die G+V. Am besten Sie erstellen eine Übersicht über die letzten 10 Jahre (wenn verfügbar), mit dem aktuellen aufgelaufenen Stand, und einer Hochrechnung für das laufende Jahr. Nehmen Sie Umsatz, Marge, Personalkosten und sonstige wichtige Kostenblöcke und den Gewinn. Damit hat der Käufer schon mal eine gute Übersicht über Ihr Unternehmen.

Der Käufer wird sich die Kostenstruktur grob anschauen und nach Auffälligkeiten suchen: Gibt es da hohe Kostenpositionen. Hohe Rechtsberatungskosten beispielsweise führen immer zu Nachfragen. Seien Sie darauf vorbereitet auf alle Kostenpositionen eine Antwort geben zu können. Wenn Sie nur wenige Produkte verkaufen kann es auch hilfreich sein, dem Käufer eine Preiskalkulation zu zeigen.

Die Bilanzdaten können Sie am Besten mit den Steuererklärungen und Steuerbescheide der letzten 3 Jahre und dem Bericht der Wirtschaftsprüfer der letzten 3 Jahre untermauern. Das gibt dem Käufer eine gewisse Sicherheit, dass Ihre Daten stimmen. Wenn die Wirtschaftsprüfer grobe Fehler gemacht haben haften Sie dafür auch gegenüber dem Käufer, der sich auf das Testat der Wirtschaftsprüfer verlässt.

Darüber hinaus können Sie, sofern Sie einen haben, auch den Businessplan dazulegen. Hilfreich ist auch eine Finanz- und Investitionsplanung. Das hängt aber immer vom Einzelfall ab.

Zusammengefasst erwartet der Käufer von Ihnen mindestens folgende Unterlagen:

  • Bilanzen der letzten 3 Jahre
  • Steuererklärungen und Steuerbescheide der letzten 3 Jahre
  • Bericht der Wirtschaftsprüfer der letzten 3 Jahre
  • Inventarliste
  • Bestandsliste
  • Liste der Forderungen

Denken Sie daran: Die Aufstellung der Unterlagen ist keine lästige Pflicht. Es gehört einfach dazu. Es ist wie beim Autoverkauf: Scheckheftgepflegte Autos bringen einfach mehr im Verkauf.

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt © Stefan Duphorn 2007

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